Ein merkwürdiges Fundstück
David von Richtberg hat den Rest der Nacht sehr schlecht geschlafen. Immer wieder kreisen seine Gedanken um den glücklosen Abenteurer, der in der Grotte angeschwemmt wurde. Sein größter Traum, die Erforschung der Klippe entfernt sich immer weiter und Verzweiflung macht sich breit.
Vor seinen Augen sieht er plötzlich wieder das schmerzverzerrte Gesicht des Abenteurer. Er schlägt die Augen auf, schwarze Augen, wie er sie schon früher gesehen hat. Die schwarzen Augen der schwarzen Horde. Seine Haut wird bleich und schwarze Adern zeichnen sich ab. Mit einem Lachen öffnet er den Mund und ruft: “Die Monster werden nie zulassen, das du die Klippen erforscht. Sie werden dich töten!”
Und alles dreht sich vor seinen Augen und bildet einen Strudel, der ihn zu verschlingen versucht. Immer tiefer wird er ins nichts gezogen und ein riesiges Maul mit riesigen Zähnen zeichnet sich aus dem Nichts ab auf das er zugetrieben wird. Ein Maul das ihn verschlingen möchte. Und je näher er dem tödlichen Schlund kommt, umso lauter werden die Trommeln und weit entfernt hört er, wie jemand ein letztes mal seinen Namen ruft…
Schweißgebadet schreckt er auf seinem Bett auf und muß feststellen, daß dies nur ein Traum war. Doch das Trommeln ist geblieben und formt sich nun zu einem Klopfen an seiner Tür. “Herr von Richtberg, ich bin es Adrian. Machen sie auf.”
Noch schlaftrunken schweift sein Blick durch den kleinen einfachen Raum. Das Bett auf dem er nun Sitz, ein kleiner Tisch mit drei Stühlen, die kleine Kochniesche und an den Wänden zahlreiche Zeichnungen und Entwürfe von seinen Forschungen und Erfindungen. Durch das verschlossene Fenster scheinen einige Lichtstrahlen und er bemerkt, daß das warme Licht der Sonne langsam das weiße Licht des Kristalls ablöst. Es scheint Sonnenaufgang zu sein, ein Ereignis, das in Haven Eden schon lange an Bedeutung verloren hat, da es immer hell ist. Denn Licht ist die sicherste Waffe gegen die dunklen Lords und ihre Horden. David versucht trotzdem an diesem alten Ritual fest zu halten und ist tagsüber aktiv und versucht Nachts zu schlafen. Und lediglich der feine Unterschied zwischen dem gelblichen Farbton des Lichts zum strahlend weißen Licht des Kristalls zeugt vom Übergang zwischen Tag und Nacht.
Während er aufsteht und Richtung Tür geht streckt er sich und versucht die letzte Müdigkeit abzuschütteln. Obwohl er außer einer weiten weißen Leinenhose nichts weiter an hat, macht er keine Anstalten, sich etwas über zu ziehen und löst die Verriegelungen der Tür, um den frühen Besucher zu empfangen.
“Komm rein Adrian. Entschuldige ich wollte eigentlich wach leiben, bis du kommst, bin aber dann doch eingeschlafen.”
Adrian schüttelt ihm zur Begrüßung die Hand und versucht eilig von der Straße ins Haus zu kommen. Seine Kleidung ist noch nass und verschwitzt von der nächtlichen Arbeit.
“Ich weiß nicht, ob man mich bei ihnen sehen darf. Heute Nacht sind noch komische Sachen passiert. Und am Schluß hat die Garde jeden aus der Höhle geschickt, nur der alte Sebastian durfte bleiben und irgendwelche Forscher oder Gelehrte kamen, die ich noch nie gesehen hatte.”
“Setzt dich erst mal. Willst Du einen Tee?”
“Gerne, schön heiß am liebsten um die Kälte des Wassers los zu werden.”
David entzündet eine Öllampe um den Raum zu erhellen und setzt Teewasser auf. Die Fensterläden lässt er absichtlich verschlossen, damit sein Besucher unbemerkt vor neugierigen Blicken von der Straße ist.
Als das Licht der Lampe den Raum erhellt, kann Adrian die feinen mystischen Symbole erkennen, die David am ganzen Körper trägt.
“Herr von Richtberg, ihr tragt die Symbole der Priester des Lichts?”
“Nenn mich David, das förmliche brauchen wir hier nicht. Ja, ich wurde als Kind von den Priestern unterrichtet und ich sollte mal einer von ihnen werden. Doch mein Erfindergeist war zu groß, deshalb wurde ich von den Priestern zu den Gelehrten geschickt, um dort zu lernen. Sie sagten mein Talent wäre im Tempel vergeudet und ich solle das machen, für das mein Herz schlägt.”
“Diese Art der Symbole habe ich vor heute noch nie bei einem Priester gesehen. Aber einer der Priester, die heute in der Höhle auftauchten trug diese ebenfalls. Ich glaube seine Tattoos waren gleich, jedenfalls sehr ähnlich.”
“Der innere Kreis also.” murmelt David vor sich hin, so daß es Adrian nicht mitbekommt und sein Blick wird nachdenklich.
Adrian scheint davon nichts mit zu bekommen und sucht etwas in seinen Taschen. Nach kurzem Suchen holt er ein Stück Segeltuch heraus in dem etwas eingewickelt ist. Als er es auspackt und auf dem Tisch legt weiten sich Davids Augen. Ein riesiger dreieckiger Zahn, der doppelt so groß als seine Hand ist.
weiter geht es mit A005 Ereignisse der Nacht

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