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Luxoria – ein neues Königreich des Lichts entsteht

Von 2000 bis 2005 war dieser Netzroman ein Teil meiner Webseite lord-stigmata.de und war damals der dritte oder vierte deutschsprachige Netzroman. Doch beruflich habe ich lange das Schreiben vernachlässigt, jedenfalls was das Fantastische angeht und so habe ich 2005 das Projekt wieder gestoppt. Die Teilnahme anderer Schreiberlinge war auch nur Anfangs groß und verflog auch innerhalb dieser 5 Jahre, es hat aber durchaus Spaß gemacht. Danke hier nochmal an alle die damals mitgemacht haben.

Die letzten 15 Jahre wollte ich immer mal einen Neustart alleine an dem Projekt starten, was aber nie so recht klappte. Vor 3 Jahren ging es hier auch wieder weiter und ich machte mich dran die alten Geschichten umzuschreiben und zu erweitern. Jedoch stellte mich das Ergebnis nicht so ganz zufrieden. Nicht das die überarbeiteten Kurzfolgen schlecht waren, aber irgendwie habe ich anscheinend einen etwas anderen Plan im Unterbewusstsein für dieses Projekt und da stellte mich der aktuelle Fortschritt nicht wirklich zufrieden. Wobei es dann doch bis Mitte 2019 dauerte, bis ich mich wieder um dieses Projekt kümmerte.

Daher habe ich mich jetzt entschlossen, alles nochmal zu reseten und auf Anfang zu stellen. Der Hintergrund an sich bleibt bestehen, doch wird komplett neu ausgearbeitet und die alten Geschichten gehen erst mal ins Archiv und sind nicht mehr erreichbar. Dafür wird es einen komplett neuen Handlungsstrang geben, mit dem ich 2019, bzw. 2020 nun dieses Projekt wieder mit neuem Leben füllen möchte, soweit es meine Haupttätigkeiten zulassen. Ich denke das dann der alte Handlungsstrang in neuer Form später wieder online gehen wird, aber das lasse ich erst einmal komplett offen.

Also lasst Euch überraschen, was nun nach dem hoffentlich erfolgreichen Neustart hier auf Euch zukommt.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen von allem, was denn hier so kommt…

A001 – Ein Lager in Nirgendwo

“Mit dem Neuen hast Du eine gute Wahl getroffen Chef. Hat der dieses Mistvieh von einem Nachtwolfs doch mit einem Hieb in zwei Hälften geteilt. Gut dass das Vieh ihn fressen wollte, sonst hätten wir heute kein Fleisch zum Eintopf, sondern wieder nur Gemüse. War zwar etwas mager und ausgehungert der Wolf, aber hier im Niemandsland will ich nicht wählerisch sein.”

Vor einer kleinen Feuerstelle rührt ein junger Mann einen dicken Eintopf um, der mit einer provisorischen Aufhängung über dem Feuer hängt. Jahn ist mit gerade einmal 16 Jahren der Jüngste der kleinen Gruppe die um die Feuerstelle sitzt und ist als Koch und Mädchen für Alles für das leibliche Wohl der Gruppe verantwortlich. Seine Kleidung ist relativ abgetragen und an einigen Stellen bereits geflickt. Und die graue-blaue Hose mag so gar nicht zu der etwas zu großen roten Uniformjacke der roten Garde passen. An seinem Waffengürtel, den er neben sich liegen hat, hängt eine alte rostige Machete, einige Taschen und etwas Werkzeug, sowie eine Brechstange. Seine schulterlangen schwarzen Haare sind zerzaust und Gesicht und Hände verraten, das er schon seit einigen Tagen kein Wasser zum Waschen zur Verfügung hatte. Denn klares Wasser ist im Ödland schwer zu finden und dieser kleine Trupp ist bereits seit 2 Wochen unterwegs.

Er probiert noch einmal den Eintopf und ein breites Grinsen breitet sich in seinem Gesicht aus. “In Kürze ist das Essen fertig. Und heute ist es mir richtig gut gelungen, muss ich sagen. Heute gibt es Kartoffeln mit schwarzen Bohnen und zähem Nachtwolf. Das Fleisch bekomme ich leider nicht weicher. Ich glaube selbst wenn der Eintopf die ganze Nacht über dem Feuer hängen würde, würde ich das nicht weicher bekommen. Aber dafür ist es gutes Fleisch mit einem guten Eigengeschmack.”

Zu der kleinen Gruppe gehören noch Richard von Steinwald, Ritter der roten Garde und Anführer der Soldaten die diese Karawane beschützen. Er trägt die für einen Ritter übliche Rüstung aus rot gefärbtem Leder, die mit polierten Metallplatten und Nieten verstärkt ist. Eigentlich ist er komplett kahl rasiert, doch die zwei Wochen Reise haben Haare und Bart bereits nachwachsen lassen. Seine linke Gesichtshälfte ist von Brandnarben gezeichnet, die ihm von einer Explosion geblieben sind, als ihm vor vielen Jahren beim Abfeuern eine Flinte explodiert ist. Neben zwei Pistolen hängt noch ein fein verzierter Säbel an seinem Waffengürtel, den er immer noch umgeschnallt hat. Lediglich die Jagdflinte liegt neben ihm am Boden. Ein modifiziertes Scharfschützengewehr aus der alten Zeit, welches auf der Unterseite des Laufes mit einer Klinge versehen wurde, damit es auch als Nahkampfwaffe verwendet werden kann, wenn es nötig ist. Jahn ist bereits seit 2 Jahren in seinen Diensten und hat ihn auf vielen Reisen durchs Ödland begleitet. Doch obwohl der Junge nicht ungeschickt mit den Waffen ist, will ihn Richard nicht zum Krieger ausbilden. Er hat schon zu viele junge Krieger gesehen, die als Kanonenfutter gegen die schwarzen Horden geschickt wurden und dieses Schicksal will er Jahn ersparen. Dafür hat er aber einen geschickten Handwerker und guten Koch immer greifbar, was ihm bei den vielen Reisen durchs Niemandsland deutlich lieber ist.

Neben ihm sitzt ein weiterer Soldat der roten Garde, Karl der Grobe wie ihn seinen Freunde nennen. Denn auch wenn er ein netter Kerl ist, unterschätzt er gerne seine Stärke und ist mit über 2 Metern und ca. 170 Kilo ein Berg von einem Mann. Im Gegensatz zu Richard trägt er keine Feuerwaffen, sondern nur 2 gewaltige Feuerklingen, umgebaute Schwerter, deren Klingen mit Öl aus einem Tank im Griff entzündet werden können. Grausame und gefährliche Nahkampfwaffen, da das Öl bei jedem Schlag auf die Gegner spritzt und diese gleichzeitig in Brand setzen. Aus einer Brusttasche an seiner Rüstung nimmt er eine kleine Schachtel die mit handgedrehten Zigarren gefüllt ist. Er nimmt sich eine der Zigarren die aus den gelben Blättern der Trichterblume gedreht wurde und zündet diese mit einem dünnen Holzstab an und zieht genüsslich daran. Sein rotbrauner Vollbart verbirgt den zufriedenen Gesichtsausdruck, als er den ersten tiefen Zug nimmt. Die Blätter der Trichterblume wirken entspannend und haben eine leicht berauschende Wirkung. Und so verbreitet sich der leicht süßliche Geruch des Krautes in der kleinen Schutzhütte.

Der Neue sitzt neben Karl und poliert gerade eine große merkwürdig geformte Klinge. Die Klinge ist doppelt bis dreimal so breit, wie die eines normalen Schwertes und nur auf einer Seite geschliffen. Anstatt einer einfachen Spitze zeigen am Ende der Klinge drei lange Dornen in die der Schneide entgegen gesetzten Richtung. Er ist kein Gardist, sondern trägt eine schwarze Lederrüstung die überall mit rostigen Metallplatten, Dornen und Nieten versehen ist. Außer dieser riesigen Klinge hat er überall an Armen und Beinen Halterungen, die mit Wurfmessern bestückt sind. An seinem Gürtel hat er noch zwei kurze aber sehr scharfe Messer hängen, welche eine leicht gebogene Klinge besitzen. Seine langen schwarzen Haare hat er zu einem Zopf gebunden und sein Kinnbart mit Koteletten wirkt mittlerweile ebenfalls etwas ungepflegt. Auf seiner rechten Wange zeichnen sich vier gewaltige Narben ab, die davon zeugen, das er heute nicht das erste mal von einem Wildtier angegriffen wurde.

Auf der anderen Seite des Feuer sitzen drei Personen, die die weißen Kutten des Lichtordens tragen. Sie haben die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen und haben während der Reise kaum ein Wort gesprochen. Die Soldaten wissen von ihnen kaum etwas, außer das sie sie sicher durch das Ödland geleiten sollen. Und anscheinend sind die Gelehrten auch darum bemüht, dass ihre Bewacher nicht mitbekommen, wem sie hier genau beschützen. Lediglich mit Richard wechselt einer der Gelehrten hin und wieder kurze Worte.

Richard bekam mit seinen Leuten den Auftrag die Gelehrten von einem Außenposten der roten Garde sicher zur Lichtfeste Eden zu eskortieren, die weiße Stadt und das spirituelle Zentrum des Lichtordens. Eine Reise von 4 bis 5 Wochen, je nachdem welche Route im Ödland frei begehbar ist. Da ihm ein Mann fehlte heuerte er den Söldner aus der Eisenfeste an, der gerade mit einer Handelskarawane eingetroffen war. Und der heutige Angriff zeigte, dass seine Wahl gut war, denn noch nie hat er gesehen, das jemand den Angriff eines Nachtwolfes, einer Bestie mit fast 2 Metern Schulterhöhe, so einfach abwehren konnte.

Diese Bestie lag neben dem Pfad den die Gruppe nehmen musste auf der Lauer und sprang unvermittelt aus seiner Deckung heraus, als Frank, der Neue sich neben dem Versteck befand. Richard selber sah nur kurz die grün-leuchtenden Augen aufblitzen und wie das gewaltige Maul der Bestie bereit war, dem Söldner den Kopf vom Körper abzubeißen. Doch noch bevor er überhaupt eine Warnung herausschreien konnte, hatte Frank bereits mit dieser gewaltigen Klinge zum Schlag ausgeholt und mit der Wucht des Schlages in Kombination mit der Wucht des Angriffs wurde der Nachtwolf noch im Sprung in zwei Hälften geteilt. Seinen Sold hatte sich der Neue damit bereits mehr als verdient, denn ohne Verluste übersteht man den Angriff eines Nachtwolfes nur sehr selten.

Mit zur Gruppe gehören noch Lydia und Markus, ebenfalls Soldaten der roten Garde. Während die Gruppe in einem gut gedämmten Unterschlupf um das Lagerfeuer sitzt, müssen die beiden jedoch in der Finsternis des Ödlandes Wache halten. Der Unterschlupf selber besteht aus einem alten halb zerfallenen Haus, das mit Holz und Schutt abgedichtet wurde, damit kein Licht nach außen dringen kann und das Lager somit in der ewigen Nacht des Ödlandes verraten würde. Denn ein offenes Feuer würde wie ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit weit sichtbar sein und sofort Wildtiere oder schlimmere Gefahren anlocken.

“Das war ein gewaltiger Schlag, mit dem du den Nachtwolf erlegt hast. Deine Reflexe sind enorm, so schnell habe ich die Gefahr gar nicht kommen sehen.” sagt Richard mit gedämpfter Stimme.

Frank schaut von der Klinge auf zu Richard, “Das war nicht der erste Angriff den ich abwehren musste. Anscheinend habe ich eine Art siebten Sinn für solche Situationen.” Er zeigt mit seiner linken Hand auf die Narben in seinem Gesicht, “seitdem mir eine rote Klingenbestie beim großen Graben vor einigen Jahren diese Narben hier verpasst hat, spüre ich irgendwie, wenn Bestien der dunklen Brut in der Nähe sind. Das ist sehr nützlich, vor allem wenn man alleine im Ödland unterwegs ist.”

“Du spürst die Anwesenheit dieser Bestien? Wie geht das?” frägt Jahn ganz erstaunt.

“Keine Ahnung wie und warum, aber ja wenn mich eines dieser Mistviecher angreifen möchte, dann spüre ich das irgendwie und kann somit so schnell wie heute auf den Angriff reagieren, auch wenn mich dieser Spürsinn heute fast in Stich gelassen hätte. Das war mehr Glück als Können, das ich den Nachtwolf so erwischt habe.”

“Die Narben sind von einer Klingenbestie? Es gibt nur sehr wenige, die von sich behaupten können den Angriff einer Klingenbestie überlebt zu haben. Ich bin zum Glück noch keiner begegnet, habe aber schon Geschichten von ihnen gehört. Sie sollen unheimlich schnell und tödlich sein. Sechs Beine auf denen Sie laufen und vier gewaltige Klauen, die mit vier gewaltigen Klingenkrallen versehen sind. Ihr Schuppenkörper soll undurchdringbar sein und ihr Schrei markerschütternd. Man findet sie aber anscheinend nur beim großen Graben.” Jahn schaut Richard und danach Frank fragend an, “das habe ich jedenfalls gehört. Keine Ahnung was davon stimmt.”

Frank hat wieder mit dem Polieren der Klinge begonnen und sagt eher beiläufig. “Das stimmt eigentlich soweit. Ob ihr Panzer undurchdringlich ist, kann ich aber nicht sagen, da ich noch nie gegen sie gekämpft habe. Sie interessieren sich meist nicht für uns Menschen. Damals haben sie nicht uns angegriffen, sondern die Kreaturen der schwarzen Horde, die unsere Karawane angegriffen hatten. Ich hatte damals anscheinend nur das Pech das ich in den Schlag einer der Klingenbestien gelaufen bin. Aber das ist schon einige Jahre her, mittlerweile gibt es ja keine Karawanen mehr zum großen Graben.”

Als Jahn das fertige Essen an die Gruppe verteilt verstummt das Gespräch, denn nach dem anstrengenden Tagesmarsch ist jeder froh, etwas herzhaftes Essen zu können. Vor allem da sie am Vorabend nicht kochen konnten, da in der Nähe des gestrigen Lagers einige Raubtiere gesichtet wurden, die vom Geruch gekochten Essens angelockt worden wären.